Kahlschlag, im Namen wirtschaftlicher Entwicklung!

Kahlschlag, im Namen wirtschaftlicher Entwicklung!

Thale erschließt ein neues Gewerbegebiet, dafür wird landwirtschaftliche Nutfläche vernichtet und im Zuge dieser Erschließung, werden erst einmal Bäume gefällt, welche eigentlich die Erosion des Ackerlandes verhindern. Das dem Geschäftsführer einer betroffenen Agrargesellschaft in diesem Zusammenhang „ohnmächtige Wut“ überkommt, ist verständlich. Zum einen werden Bäume gefällt und damit der Acker derer Schutzfunktion beraubt und zum anderen wird den Landwirten wirtschaftliche Grundlage entzogen. Im Namen der Wirtschaft, wird andere Wirtschaft vernichtet, es steht wirtschaftliches, gegen wirtschaftliches Interesse!

Das in diesem Zusammenhang, die Schaffung von Gewerbe- und Industriegebieten, meistens mit der hohen Arbeitslosigkeit begründet werden, liegt auf der Hand, da gerade dieses Argument am verfänglichsten ist. Dabei spielt es anscheinend keine Rolle, dass unter Umständen Arbeitsplätze vernichtet werden und unterm Strich, gesamtwirtschaftliche, sogar Arbeitsplätze vernichtet werden. Sich die Frage, nach der Notwenigkeit weiterer Gewerbe- und Industriegebieten zu stellen, ist berechtigt, aber sie wird selten gestellt. Immerhin könnte ja festgestellt werden, dass es eigentlich genug erschlossene Flächen gibt, oder auch Brachen, welche erschlossen werden könnten, nur nicht im eigenem, steuerlichem Einflussgebiet.

Und letzteres scheint das Entscheidende zu sein, da die Stadt ja nicht von Gewerbegebieten in den Nachtbarorten, oder anderswo im Land partizipiert. Ein Problem, welches kommunal nicht zu lösen ist, sondern nur gesamtwirtschaftlich, auf volkswirtschaftlichem Niveau. Was wiederum, in einem anarchistisch organisierten Wirtschaftsystem so gut wie unmöglich ist. Und so wartet ein jeder Flecken, auf die Karawane von Investoren, welche vorüberziehen könnte, in der Hoffnung, dass das eine oder andere Kamel einen Fladen Dung zurücklässt, nach dem auf der wohl bereiteten Weide gefressen wurde. Weiden gibt es genug, die Karawanen werden weniger und wenn sich zum Grasen niedergelassen wird, muss nicht nur die Weide in einem guten Zustand sein, sondern es sollte an zusätzlichem Futter nicht fehlen. So trägt bei mancher Investition, heute schon die öffentliche Hand, den eigentlichen Anteil, es sind weniger die hoch begehrten und gelobte Investoren, sondern es sind meistens EU, Bund, Land, Kreis, Kommunen, in Form von Fördermitteln, Zuschüssen, Subventionen, welche diese realisieren. Investoren geben oft nur ihren Namen, um letztlich die Gewinne einzusacken. So wird, das oft gepriesene unternehmerische Risiko sozialisiert, um Risikolos Gewinnen zu maximieren und zu privatisieren.

Aber zurück zu den gefällten Bäumen, welche den Acker nicht mehr schützen und des Entzugs produktiver Grundlagen. Dabei ist es durchaus erschreckend, wie viel landwirtschaftliche Nutzfläche jedes Jahr verloren geht, einem Bereich der Wirtschaft also entzogen, welcher eigentlich elementare Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen hat. Auch wenn die Landwirtschaft im Zuge wirtschaftlicher Entwicklung, heute in erster Linie Rohstofflieferant für die Industrie ist, ändert dieses an ihrer primären Stellung nichts. Dabei sind die Böden in unserer Region durchaus fruchtbar und lassen gute Erträge zu, was übrigens unser Vorfahren immer zu schätzen wussten und gerade mit der Sattzucht des ausgehenden 19 Jahrhunderts in Quedlinburg, eine Wiege der industriellen Landwirtschaft stand. Das alles scheint heute keine Rolle mehr zu spielen, höchstens noch im Zusammenhang mit touristischen Führungen und geschichtlicher Erinnerungen. Viele Rohstoffe der Lebensmittelindustrie, selbst viele Lebensmittel, werden nicht mehr hierzulande produziert, sie werden auf dem Weltmarkt eingekauft, und auf hiesigen Flächen werden hauptsächlich Monokulturen angebaut. Eine Selbstversorgung wäre unter diesen Umständen gegenwärtig nicht möglich, was aber noch lange nicht bedeuten darf, dass die Grundlagen für eine solche zerstört werden können.

Aber das werde sie, es werden Flächen versiegelt, Landschaft zersiedelt, Straßen gebaut, die eigentlich keiner braucht, wie die südumgehung Quedlinburgs, und natürlich immer weitere Gewerbegebiete erschlossen. Wirtschaft dient heute nicht den Menschen, sie hat einen geradezu religiösen Charakter bekommen, sie ist so „nur die illusorische Sonne, die sich um den Menschen bewegt, solange er sich nicht um sich selbst bewegt.“** kann in Abwandlung eines Zitates, geschrieben werden. Letztlich sollte es um die Interessen der Menschen gehen, und nicht um die Interessen irgendwelcher potenziellen Investoren. Zwar ist Arbeitslosigkeit ein Problem dieser Gesellschaft, und sicher kein kleines, nur wird dieses durch Investitionen in neue Industriegebiete nicht zu lösen sein, selbst nicht, wenn sich dort industrielle Produktion ansiedeln sollte. Das möge sich im ersten Moment zwar widersprüchlich anhören, es ist aber so.   

Und wenn der Bürgermeister der Stadt Thale verkündet, dass es Interessenten für das zu erschließende Industriegebiet gibt, diese aber nicht genannt werden wollen, kann davon ausgegangen werden, dass es sich um einen Vorwand handelt, um eine Erschließung ins blaue zu rechtfertigen. Aber nicht nur in diesem Zusammenhang, wird in Thale kräftig Geld umverteilt. Wobei es bis jetzt dem Bürgermeister immer gelungen ist, dieses als Notwendig und als einen Vorteil für die Stadt dazustellen. Wann hingegen diese Ausgaben, gerade im Rahmen privat-öffentlicher Gesellschaften, der Stadt auf die Füße fallen, ist zwar fraglich, aber nicht vermeidlich.

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