Und wieder die Landwirtschaft!

Und wieder die Landwirtschaft!

In der MZ heißt es heute: Bauernchef wirft Bund Preistreiberei vor und es geht um Bodenpreise, was nicht davon abhält zum schlecht orientierten Rundumschlag auszuholen.

Nun hat der Präsident des Deutschen Bauernbundes ein Problem ausgemacht, die zu hohen Verkaufs- und Pachtpreise für Ackerland durch die bundeseigene Bodenverwertungs- und Verwaltungsgesellschaft, dieses Problem bezeichnend zieht er den Kreis weiter und versteigert sich sogar in unrealistische Behauptungen gegenüber unliebsamen Konkurrenten, welche er besser als Partner annehmen sollte.

Was soll es, eine Gesellschaft, welche seit Jahren ehemaliges Volksvermögen der DDR verschleudert, drückt nun auf die Preisschraube! Anstößig ist hier nicht der Verkauf, anstößig ist der Preis und den bestimmt doch eigentlich der Markt, dieses sollte zumindest der praktizierten Systemhörigkeit des Bauernbundpräsidenten bewusst sein. Auch sollte ihm nicht fremd sein, dass Preise oft nicht irgendwelchen Vergleichslisten entspringen, sondern durch die gezielte Umsetzung von Interessen bestimmt werden und so auch in genannte Listen einfließen. Das solches Denken ihm fremd zu sein scheint, hat der Herr des öfteren schon bewiesen und so hängt er auch hier wieder der Illusion nach, es könnte sich etwas ändern, nur dadurch, dass an die Politik appelliert wird, Klein- und Mittelbauern den Acker noch günstiger zu verschleudern.

Ich kann mich nicht des Eindruckes erwehren, dass der Mann dieses System noch nicht begriffen hat! Dafür spricht auch die Aussage: „”Der Entschädigungsgedanke ist damit der Lächerlichkeit preisgegeben”“, ja, für was den Entschädigen? Dass das Klein- und Mittelbauerntum in der DDR so gut wie nicht mehr existent war, nach der Wende reanimiert wurde und nun von der kapitalistischen Wirtschaftsweise gefressen wird? Der Traum von der heilen Landwirtschaft, außerhalb der Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus? Welche Illusion und dabei würde ein Blick in die alten Bundesländer schon für Aufklärung sorgen.

Nun wird weiter ausgeschlachtet und ehemaliges Volksvermögen verscherbelt, dieses stört den Bauernpräsidenten nicht, ihm geht es um die Verteilung. Ja, wir haben Marktwirtschaft und der Markt soll ja bekanntlich alles regeln, so natürlich auch den Verkauf von Grundstücken, das Regulierungsmittel sollte aber nicht vergessen werden. Letztendlich entscheidet nicht der Wille, sondern das Geld und wer der Meinung ist, dass mittelalterliche Strukturen in der Landwirtschaft unter marktwirtschaftlichen, sprich kapitalistischen Bedingungen auf Dauer überlebensfähig sind, wird sich bald enttäuscht sehen. Eher ist die Tendenz zu verzeichnen, dass sich auch in der Landwirtschaft größere Strukturen durchsetzen werden, wie zum Beispiel Betriebe, welche aus ehemaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften hervorgegangen sind.

Hier wird zum wiederholtem male versucht, was nach der Wende in den 1990iger Jahren nicht gelungen ist, nämlich die genossenschaftlichen Strukturen auf dem ehemaligem Gebiet der DDR zu zerschlagen. Volkseigenes Eigentum konnte schnell verscherbelt werden, ihm wurde das Etikett Staatseigentum (welches auch so abwegig nicht war) aufgedrückt und ruck zuck wurde privatisiert. Mit dem genossenschaftlichen Eigentum war es da schon etwas anders und selbst das Infrage-stellen der Bodenreform, als ein Ergebnis des zweiten Weltkrieges, war wenig Hilfreich. So wurden viele Genossenschaften mit diversen Schulden belastet, welche oft nur dem internen Verrechnungssystem innerhalb der DDR Volkswirtschaft geschuldet waren. Viele hielten dem aber stand und konnten sich im wirtschaftlichem System des Kapitalismus behaupten. Das scheint dem Bauernbundpräsidenten alles ein Dorn im Auge zu sein, er strebt den klassischen Einzelbauern als Unternehmer an und aus diesem Grund versteigert er sich in folgende Aussage: „Einzelbetriebe und Wiedereinrichter würden deutlich wirtschaftlicher arbeiten als Großbetriebe, daher müsse die Politik über eine neue Akzentuierung der Förderung nachdenken.“ Aber nicht nur das dieses völlig gegen den Trend kapitalistischer Entwicklung ist, zeigt es auch wohin die Reise gehen soll. Konkurrenzfähige Strukturen sollen dem Einzelinteresse von Einzelbetrieben und Wiedereinrichtern geopfert werden, um selbst größer werden zu können. Nur schaut man sich um in der Landwirtschaft, so haben viele Einzelunternehmen nur noch die Möglichkeiten in Nischen zu existieren, oder sich diversen Preisdiktaten zu beugen, welche letztendlich in den Ruin führen, wie der Bauernbundpräsodent selbst richtig feststellt. Ein Überleben ist oft nur auf Grund von Transferzahlungen (Subventionen) möglich. Das nun Einzelunternehmer und Wiedereinrichter effektiver Arbeiten ist eine Behauptung welche durchaus bewiesen werden müsste, dieser Beweis wird aber nicht erbracht. Ein Argument dagegen und den Gesetzen des wirtschaftlichen Systems folgend, ist allein schon die Tatsache, dass sich diese Einzelunternehmen und Wiedereinrichter bis jetzt nicht durchsetzen und ihre Konkurrenz vom Markt verdrängen konnten, eher sind gegenläufige Tendenz zu beobachten. Oberflächlich spricht sicher ein Argument dafür, die Einzelbauern praktizieren wahrscheinlich im wesentlich größerem Umfang die Ausbeutung ihrer eigenen Arbeitskraft. Wie lange dieses aber durchzuhalten ist und mit welchen gesundheitlichen Konsequenzen, bleibt abzuwarten.

Bei aller Kritik des Bauernbuntpräsidenten, und so berechtigt diese zum Teil auch sein möge, richtet er sie doch immer wieder an die falschen Adressaten. Den Ursachen für die Probleme der Bauern kann er damit nicht nahe kommen, eher entfernt er sich von diesen und so wird ihm auch keine vernünftige Lösung einfallen, jedenfalls keine Praktikable, welche für Veränderung steht und die Lage der Bauern verbessern könnte. An der Situation der Bauern würde sich auch nichts ändern, wenn sie die Flächen günstiger erwerben könnten und die unliebsame Konkurrenz der Genossenschaften verschwinden würden. Es würde nur diverse neue agrarische Großunternehmen auf den Plan rufen, welche wesentlich schneller die unliebsame Konkurrenz erdrücken würden. Gegen über diesen Unternehmen sind die Genossenschaften sogar ein Garant für die Existenz der Einzelbauern, da diese ein festgestecktes Gebiet haben und regional genauso verankert sind wie Einzelbauern, was für die meisten agrarischen Großunternehmen nicht zutrifft. Mit seinen Forderungen macht sich der Bauernbuntpräsident  zum Erfüllungsgehilfen dieser Großunternehmen und wird letztendlich genau das erreichen, was er eigentlich vermeiden möchte.

Abschließend wird festgestellt: „Angesichts der Proteste der Milchbauern gegen zu niedrige Verkaufspreise für Rohmilch warnte Klamroth davor, dass bei den Ackerbauern in Kürze ähnliche Szenarien drohen: “Wir verkaufen derzeit den Weizen für fünf Euro je Zentner, davon kann auf Dauer keiner leben.”“ So richtig diese Erkenntnis auch ist, so falsch die Bestimmung der Ursachen und die Lösungsansätze.

Lohnend wäre über die Rolle und Aufgabe der Landwirtschaft generell nachzudenken, in den letzten Jahren hat sie sich vom Versorger der Bevölkerung (noch in der DDR) mit Nahrungsmitteln, zu einem Rohstofflieferanten für die Industrie, mit all den damit verbundenen Konsequenzen, entwickelt. Nicht der Bedarf der Bevölkerung bestimmt die Produktionspalette der Bauern, sondern die Industrie, welches über Subventionen politisch sogar noch gesteuert, im Sinne von beschleunigt, wird.

 

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