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Kein Schlusslicht mehr, ein Erfolg?
Kein Schlusslicht mehr, ein Erfolg?
Welch glorreicher Erfolg wird hier verkündet, „Quedlinburg ist nicht mehr Schlusslicht“ und die Arbeitslosenzahlen sind gesunken, die Quote liegt unter dem Vorjahresniveau! ?
Im Text ist zu erfahren, dass die Arbeitslosenquote bei 12,5% im Harzkreis liegt und Halberstadt die Spitze mit 15 %, gefolgt von Quedlinburg mit 14,8%, hält. „Schlusslicht“ und damit Sieger im Rennen ist Wernigerode mit 8,4%, welches somit den Harzkreis nicht ganz so schlecht aussehen lässt. Dieser Trend, sinken der Arbeitslosenquote, schein sich in Sachsen-Anhalt fortzusetzen, wie im Wirtschaftsteil der Zeitung unter der Schlagzeile „Kurzarbeit rettet viele Jobs“ zu erfahren ist.
Nicht nur das hier eine Ursache für den oben gepriesenen „Erfolg“ genant wird, sondern es kann auch einer animierten Grafik entnommen werden, dass Sachsen-Anhalt mit 13,3% nicht Schlusslicht in der Arbeitslosenstatistik ist, Berlin verzeichnet immerhin 14,4%.
Ja, so unterschiedlich kann es in den Regionen zugehen und dank Wernigerode liegt der Harzkreis somit unter dem Landesdurchschnitt, Quedlinburg, welches glorifizierter Weise nicht mehr Schlusslicht im Kreis ist, würde für sich genommen darüber liegen. Aber wie die Arbeitslosenzahlen auch immer ausfallen, wichtig scheint zu sein einen positives Moment zu finden und im Moment ist Quedlinburg eben nicht Schlusslicht im Harzkreis.
Beide Beträge berücksichtigend stellt sich eigentlich die Frage, was wird sein, wenn Kurzarbeit nicht mehr greift, von der ja gerade auch in Sachsen-Anhalt reger gebrauch gemacht wird?
So waren, „Mitte des Monats … 163700 Menschen (in Sachsen-Anhalt) arbeitslos gemeldet. Das waren 6800 weniger als im Juli, teilte die Landesarbeitsagentur am Dienstag mit. Rechnet man Menschen in Ein-Euro-Jobs, ABM oder Existenzgründung mit ein, sind 230000 Frauen und Männer beschäftigungslos, 2800 weniger als vor einem Jahr.“
Und einmal von den verschiedenen Bezugspunkten abgesehen, welche in der Aussage verwendet werden, ist eigentlich gut zu erkennen wie groß die manipulierte Masse ist. Neben den 163700 Menschen welche Arbeitslos gemeldet sind, werden noch 66300 Menschen in oben genannten Maßnahmen versteckt. Hinzu kämen sicher noch jenen, welche sich derzeit in diversen Umschulungen und Praktika befinden.
Aber auch mit dem Mittel der Kurzarbeit wird Arbeitslosigkeit kaschiert, in dem sie letztendlich nur verschoben wird. Wie zu lesen ist, „ stabilisiert vor allem der Einsatz der Kurzarbeit den Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt. Im Juli 2009 meldeten 320 Unternehmen bei den Agenturen für Arbeit für 3900 Arbeitnehmer Kurzarbeit aus konjunkturellen Gründen an.“
Und Kurzarbeit aus konjunkturellen Gründen bedeute nichts anderes, als das aus den Kurzarbeitern ohne Konjunktur zum größten Teil Arbeitslose werden.
Es gibt viele Möglichkeiten Arbeitslosigkeit zu verstecken und es wird reger gebrauch davon gemacht, besonders auch vor der Bundestagswahl. Das ist in Quedlinburg nicht anders als irgendwo sonst in diesem Land, „begünstigend“ für Quedlinburg, wie auch für andere Teile in Sachsen-Anhalt ist, dass es relativ wenig exportabhängige Industrie gibt. Aus diesem Grunde und dieses wird im Beitrag ebenfalls festgestellt, fällt die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Osten des Landes etwas moderater aus, als im Westen. Was allerdings kein Grund ist, wie im ersten Beitrag gesehen, als Erfolg zu verkaufen, dass Quedlinburg nicht mehr Schlusslicht in der Arbeitslosenstatistik im Harzkreis ist.
Viel mehr kommt es darauf an den Tatsachen ins Auge zu sehen und sich für regionale Stoffkreisläufe einzusetzen. Diese werden die allgemeingesellschaftlichen und systememinenten wirtschaftlichen Probleme nicht beseitigen können, aber sie können dazu beitragen deren Wirkungen etwas abzulindern. Dieses sicher nicht als Gegenstück zur Globalisierung, deren Art und Weise durchaus zu kritisieren ist, sondern als Voraussetzung regionaler Versorgungssicherheit.

