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Martialischer Beginn! Gildefest in Quedlinburg!
Bilder vom Gildefest!
Martialischer Beginn!
Gildefest in Quedlinburg!
Ja an diesem Wochenende ist wieder Gildefest in Quedlinburg, die Kaufmannsgilde lädt ein und die gesamte Null wird genutzt. Bühnen wurden aufgebaut und mit vielen Veranstaltungen wird geworben. Für Speis und Trank ist gesorgt und auch die verschiedensten Händler finden sich in und an den Straßen und auf den Plätzen. Heute wurde das Gildefest eröffnet und der Bürgermeister hat einige markige Sätze gesprochen.
Eigentlich hatte ich nur einen Weg, landete aber genau während der Eröffnungsveranstaltung des Gildefestes auf dem Marktplatz. Schon als ich mich dem Markt näherte schalte mir Marschmusik entgegen und als ich aus der Marktstraße kommend auf den Marktplatz einschwenkte, bot sich ein erschreckendes Bild. Vor der Bühne, auf welcher sich die verschiedensten Personen befanden, standen einige Herren, militärisch gekleidet, mit Vorderlader bewaffnet und harten der Dinge die da kommen sollten. Rechts und Links von der Bühne wurden diese Herren, im weißen Hemd mit Schlips und Kragen, aber ohne Hut, flankiert von martialisch anzuschauenden Männern in Uniform, mit Hut, Mitglieder eines Schützenvereins. Wo war ich da nur hingeraten, ein Gildefest, martialisch nicht nur durch Marschmusik eingeleitet, sondern auch durch Böllerschüsse aus dem Forderlader.
Ich erledigte erst einmal meinen Weg, ging anschließend an der Bühne vorbei in die Breite Straße. Auf Höhe des Kornmarktes entschied ich mich, über den Marktkirchhof in die Marktstraße zu gehen, um anschließend wieder auf den Markt zu gelangen. Wenigstens ein Foto mit dem Handy wollte ich von diesem militantem Spektakel machen. Auf dem Markt angekommen traf ich einen Bekannten, welcher über diese Veranstaltung auch nur den Kopf schüttelte und fragte wie so etwas möglich sein könne, in der jetzigen Zeit. Sicher erwartete er keine Antwort, eher war die Frage rhetorisch gemeint, und drückte den Unmut, das Unverständnis über die Art und Weise dieser Veranstaltung aus.
Ich ging weiter, machte ein paar Fotos und lauschte einem Teil der Rede des Bürgermeisters. Dieser warb für die Stadt und für die Kaufmannsgilde, welche durchaus noch Mitglieder vertragen könnte. Er vergaß auch nicht darauf zu verweisen, dass Quedlinburg eine Bunte Stadt ist und keine braune und alles dafür getan werden müsse, das es auch so bleibe.
Irgendwo und wann hatte ich beim ersten Gang über den Markt vernommen, dass wir uns hier in einer kaiserlichen Stadt befänden und dieser Tradition auch Rechnung zu tragen ist. Nach dem martialischen Aufmarsch kann berechtigter Weise gefragt werden, welche kaiserliche Tradition damit gemeint sei?
Martialisch waren sie anzuschauen, mit Waffen in der Hand, mich überkam ein Grauen.
Ja, hat diese Stadt den Militarismus für sich wieder entdeckt, auch wenn er in Form kleinbürgerlicher Schützenvereine daherkommt? Und waren/sind nicht auch gerade solche Traditionen ein idealer Nährboden für alles Braune und ist es nicht gerade die Uniform, welche Buntes negiert, von den bunten Blech- und Plastikorden einmal abgesehen?
Erschreckend diese Gedanken und nicht nur in einer Zeit, wo dieses Land sich wieder einen Namen als Aggressor in dieser Welt macht und andere Völker mit Krieg überzieht. Nun ist aber eine Mehrheit des Volkes gegen Kriege, was die Regierenden sicher ärgert, aber von ihrem Treiben nicht abhält. Und schon gar nicht von ihren Bemühungen das Volk für die geführten und noch zu führenden Kriege zu vereinnahmen. Nun ja, wie es so ist, große Veränderungen nehmen ihren Anfang meistens im kleinem und so wird auch manche Veranstaltung, welche als Volks- und Konsumfest gedacht ist, diesem Ziele untergeordnet. Das Volk wird an Uniformen gewöhnt und die kleinbürgerliche, nach Schutz vor allen möglichen Gefahren lechzende, Seele findet Befriedigung. Eine scheinbar heile Welt im Kostüm von Kaputtmachern. Ein Konsumfest für das Volk wird eröffnet, kaiserliche Tradition beschworen, eine bunte Stadt beschrieben, braune Horden verneint und zu diesem Zwecke marschiert uniformierter Kleingeist und gibt Böllerschüsse aus Vorderlader ab!
Wenn es darum geht, gegen eine Demonstration faschistischer Gruppierungen zu demonstrieren, wird schon mal der Markt besetzt und buntes Treiben simuliert, selbst wenn es eher einem Kesseltreiben gleicht.
Wenn es aber darum geht, dem sich immer unverhohlener zeigenden Militarismus entgegenzutreten, wird er nicht einmal erkannt und sogar als kleinbürgerliche Tradition befördert.
Wenn sich offiziell bekennende Faschisten zusammenrotten und demonstrieren, wird diesem halbherzig entgegengetreten, den alltäglichen Faschismus, wie er in der Mitte der Gesellschaft längst angekommen ist, scheint man hingegen nicht einmal zu erkennen und an Stelle diesem entgegenzutreten, wird ihm noch das Wort geredet.
Ja, auch Quedlinburg hat Traditionen, nur wäre es durchaus angebracht einen Blick in die jüngere Vergangenheit zu werfen. Nämlich auch der preußische Militarismus war eine Wurzel des deutschen Faschismus, die Blütezeit dieses Militarismus ist auch an Quedlinburg nicht vorübergegangen und so manche uniformierte Tradition ist in diesem verwurzelt. Fraglich auf welche Traditionslinie sich hier begeben wird!
Th.Loch
P.S. Nun waren nicht allzu viele Bürger bei der Eröffnung, wahrscheinlich nur der harte Kern und jene, welche sich nicht wehren konnten, Kinder zum Beispiel.
Wehrt den Anfängen, es besteht noch Hoffnung!

