Ein Grund zum gratulieren?

Ein Grund zum gratulieren?

Ein Grund zum gratulieren, oder doch nur Ausdruck gelebter Egozentrik? Also Gratulation, dass das Unternehmen in der Region bleibt!

Ja, die Stadt Quedlinburg gewinnt 100 Arbeitsplätze, welche der Stadt Harzgerode verloren gehen. Des Einen Freud, des Anderen Leid! Es wird gratuliert und sicher ist es ein Erfolg wenn sich Gewerbe in der Stadt niederlässt und Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Beweggründe für den Umzug sind eigentlich recht einfach und sind den Bemühungen der Stadt nur bedingt geschuldet. Zum einen steht der gegenwärtige Standort dem Unternehmen nicht mehr lange zur Verfügung, zum anderen liegt Quedlinburg von diesem nicht weit entfernt, verfügt über freie Flächen und bietet den Geschäftsführern ein gutes, kulturelles Lebensumfeld zum heimisch werden. Das sich das Unternehmen in Quedlinburg ansiedeln wird, ist somit den verschiedensten Umständen geschuldet, was den Anteil der Stadt sicher nicht schmälert. Auch ist es nicht verwunderlich, dass Bürgermeister und Wirtschaftsförderer dieses als Erfolg verkaufen, ist doch die Wahrscheinlichkeit groß, dass dieses Unternehmen irgendwann einmal Gewerbesteuern in die Kassen der Stadt Quedlinburg zahlen wird.

Ersteinmal ist damit aber nicht zu rechnen, immerhin werden die 3,8 Millionen Investitionssumme abgeschrieben. Und wenn einer der Geschäftsführer sagt: „“Das sind hochspezialisierte Fachleute von hier, in die wir investiert haben. Da können wir nicht weit wegziehen”“, so bedeutet dieses zwar den Erhalt der Arbeitsplätze in der Region, aber letztendlich werden diese nur in der Region umgelagert. So das die Beschäftigten unter Umständen nicht mehr nach Harzgerode zur Arbeit fahren, sondern nach Quedlinburg. Somit besteht der Erfolg für die Stadt darin, das in Zukunft das Unternehmen keine Gewerbesteuer mehr in Harzgerode zahlen wird, sondern in Quedlinburg. Wie andererseits Unternehmen, welche Quedlinburg verlassen haben und ins Umland gezogen sind, nicht ihre Mitarbeiter entlassen haben, wird es dieses Unternehmen auch nicht tun. Warum auch? Letztendlich geht es doch in solchen Fällen für die Kommunen nur darum, wohin in Zukunft die Gewerbesteuern fließen. Das gerade der Bürgermeistern Gewerbesteuerfixiert ist hat er ja schon mehrfach bewiesen, leider scheint er dadurch andere Einnahmequellen gern in ihrer Bedeutung zu negieren.

Und in diesem Sinne ist folgendes auch nur Augenwischerei: “Die Wirtschaft ist für die Stadt das Thema Nummer 1″, so Bürgermeister Brecht. “Wir verstehen uns nicht ausschließlich als Kulturstadt, auch wenn das hervorragende kulturelle Umfeld von Investoren freudig zur Kenntnis genommen wird.”“ Für die Stadt ist nicht die Wirtschaft das Thema Nummer 1, sondern die damit verbundenen Steuereinnahmen, Wirtschaft ist immer nur Mittel zu Zweck, sollte es jedenfalls sein. Das hier der Kultur eine angemessene Bedeutung zuerkannt wird, war in letzter Zeit eher selten, meistens jammerte der Bürgermeister über diese, als notwendiges Übel. Und wenn für den Bürgermeister wirklich „Wirtschaft das Thema Nummer 1“ wäre, dann wäre er sicher nicht auf solch törichten Gedanken gekommen, die Stadtwerke zu verkaufen. Die praktizierte Egozentrik, das praktizierte Kirchturmdenken, erheischt jeden Cent Gewerbesteuer, oder anders definierten Abgaben, ist aber bereit auf Gewinne aus eigenen Unternehmen zu verzichten. Logisch ist das nicht, denn wie viel Gewinn muss ein Unternehmen erzielen, damit das an Gewerbesteuer eingenommen wird, was von den Stadtwerken an Gewinn ausgewiesen wird?

In wieweit das ansiedlungswillige Unternehmen, auf Grund seiner dominanten Exportausrichtung, von den Auswirkungen der Krise betroffen sein wird, kann jetzt vielleicht noch nicht gesagt werden, aber es wird betroffen sein. Der Schiffbau geht in die Knie, wogegen der Markt für Stromerzeuger sich im Wachstum befindet. Dem Unternehmen bleibt zu wünschen, dass es erfolgreich weiter agieren kann und somit irgendwann Geld in die Kassen der Stadt zahlt. Gut ist das die Arbeitsplätze in der Region geblieben sind, eine Neugründung oder Erweiterung, verbunden mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze, ist es hingegen nicht. Somit beschränkt sich das Ergebnis dieses Umzugs auf die Umverteilung von Gewerbesteuern zu Gunsten von Quedlinburg.

Kurioserweise wird im MZ Beitrag eine Argumentation des Bürgerforums (siehe hier unter Programm 2009) übernommen und es finden die Wirtschaftsansiedlungen der letzten Jahre Berücksichtigung, ja, es wird sogar mit Stolz darüber berichtet. Warum auch nicht, vielleicht hat die „ewige Jammerei“ und das negieren von Tatsachen nun endlich ein Ende.

Aber auch die Jammerei ist nur Mittel zum Zweck, auch wenn dafür Tatsachen verschwiegen, entstellt, aber auch um gedeutet werden müssen. Hier wurde nicht gejammert, hier wurde frohlockt, manchmal fällt einen der Erfolg einfach in der Schoß, nur in dem man zur rechten Zeit, am Rechten Ort ist. Aber auch das ist wichtig!

Die Anarchie des Kirchturmdenkens und dass daraus resultierende Handeln, ist ein großer Klotz am Bein des gesellschaftlichen Fortschritts, aber ob sich dieses unter den gegebenen Umständen ändern wird? Jedenfalls hat Quedlinburg einen potenziellen Gewerbesteuerzahler mehr!

 

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